Bakterien im Urin – immer ein Harnwegsinfekt?
Bakterien im Urin – das klingt im ersten Moment alarmierend und lässt viele sofort an einen Harnwegsinfekt denken. Doch der Nachweis von Keimen im Urin bedeutet nicht zwangsläufig, dass tatsächlich eine Infektion vorliegt. Heute weiß man sogar, dass sich in der Blase von gesunden Menschen kleine Mengen harmloser Bakterien finden können – ein natürlicher Teil des sogenannten Blasenmikrobioms.
Tatsächlich werden gerade bei Frauen nicht selten Bakterien im Urin bei Routineuntersuchungen entdeckt, ohne dass Beschwerden vorliegen. Man spricht dann von einer asymptomatischen Bakteriurie, also einer symptomfreien Besiedelung der Harnwege durch Bakterien.
Im folgenden Artikel erfahren Sie, wie es zu einer solchen beschwerdefreien Keimbesiedelung im Urin kommen kann, wie sie sich vom typischen Harnwegsinfekt unterscheidet und in welchen Fällen tatsächlich eine Therapie erforderlich ist
Kurz und knapp: Bakterien im Urin sind nicht immer ein Infektionszeichen!
- Bakterien ≠ Infekt: Bakterien im Urin bedeuten nicht automatisch eine Blasenentzündung.
- Keimbesiedelung der Harnwege ohne Beschwerden (= asymptomatische Bakteriurie): Sie ist recht häufig und meist harmlos.
- Risikogruppen für asymptomatische Bakteriurie: Eine solche „stille“ Keimbesiedelung findet sich öfter bei Frauen im Allgemeinen, Schwangeren, älteren Menschen, Diabetikern und Katheterträgern.
Therapie bei Bakteriennachweis im Urin: Ohne Beschwerden in der Regel nicht nötig – Ausnahme: in der Schwangerschaft und vor Operationen an den Harnwegen sollte eine Therapie mit einem Antibiotikum erfolgen. Bei Symptomen (z. B. Schmerzen, häufigem Harndrang) stehen pflanzliche Arzneimittel, Schmerzmittel oder – falls nötig – Antibiotika zur Verfügung.
Ursachen für Bakterien im Urin: von Verunreinigung bis stiller Keimbesiedelung
Kurz erklärt: Warum habe ich Bakterien im Urin?
- Verunreinigung der Probe: Bakterien können beim Auffangen des Urins versehentlich von der Haut oder aus dem Genitalbereich in den Becher gelangen.
- Harnwegsinfekt: Typische Beschwerden wie Brennen, häufiger Harndrang oder Fieber weisen auf eine Infektion hin.
- stille Keimbesiedelung: Manchmal finden sich Bakterien im Urin ohne Symptome – dann spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie.
Früher dachte man, dass Urin in der Blase komplett keimfrei ist. Heute weiß man: Bei gesunden Menschen können dort in kleiner Menge auch harmlose Bakterien vorkommen. Das ist normal und kein Zeichen für eine Erkrankung. Wichtig wird ein Keimnachweis erst dann, wenn sich tatsächlich krankmachende Bakterien vermehren oder typische Beschwerden auftreten.
Die gängigen Urinuntersuchungen beim Arzt sind deshalb darauf ausgerichtet, genau solche Veränderungen zu erfassen – also Keime oder Keimmengen, die wirklich auf eine Infektion hindeuten.
Wenn nun aber z. B. im Rahmen einer Routineuntersuchung Bakterien in einer Urinprobe nachgewiesen werden – Ärzte sprechen dann von einer Bakteriurie – kann das ganz unterschiedliche Ursachen haben. Diese reichen von harmloser Verunreinigung (etwa durch Bakterien von der Haut oder aus dem Genitalbereich, die bei der Urinabgabe versehentlich in die Probe geraten) bis hin zu einer Harnwegsinfektion, bei der Keime eine entzündliche Reaktion der Blase oder des Nierenbeckens auslösen. Das führt dann zu entsprechenden Beschwerden wie beispielsweise Brennen beim Wasserlassen und häufigem Harndrang bei einer Blasenentzündung oder Fieber und Flankenschmerzen, wenn die Nieren mitbetroffen sind.
Mehr dazu lesen Sie im Artikel Blasenentzündung – Symptome und Anzeichen
Sonderfall: Keimwachstum im Harn ohne Beschwerden
Schließlich können Bakterien die Harnwege aber auch besiedeln, ohne eine Entzündung hervorzurufen. Man spricht dann von einer asymptomatischen Bakteriurie – es werden zwar Keime wie Escherichia coli (E. coli) im Urin gefunden, aber ohne Krankheitsanzeichen oder Beschwerden.
Asymptomatische Bakteriurie: Wer ist häufig betroffen?
Eine asymptomatische Bakteriurie ist relativ häufig, vor allem in bestimmten Bevölkerungsgruppen:
- Frauen allgemein: Etwa 5 % der jüngeren Frauen sind betroffen. Aufgrund der kurzen weiblichen Harnröhre können Bakterien leichter in die Blase gelangen. Asymptomatische Bakteriurien treten daher bei Frauen insgesamt deutlich häufiger auf als bei Männern (bei Männern sind es weniger als 1 %).
- Schwangere: In der Schwangerschaft tritt eine asymptomatische Bakteriurie bei etwa 4–7 % der Frauen auf.
- Diabetiker: Menschen mit Diabetes haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine asymptomatische Bakteriurie. Etwa 20 % dieser Personengruppe haben Bakterien im Urin – Frauen etwas häufiger als Männer.
- ältere Menschen: Mit steigendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für Keime im Urin zu, ohne dass eine Infektion die Folge ist. Je nach Quelle sind etwa 16–50 % der über 70-Jährigen betroffen.
- Personen mit Blasenkatheter: Bei dauerhafter Katheterversorgung ist eine bakterielle Besiedelung nahezu die Regel.
Ist eine Keimbesiedelung ohne Beschwerden gefährlich?
In der Regel nicht. Eine asymptomatische Bakteriurie bleibt meistens harmlos und wird vom Körper toleriert – die nachgewiesenen Keime sind dann eher „stille Mitbewohner“ ohne Krankheitswert. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt später tatsächlich einen Harnwegsinfekt. Deshalb wird in den meisten Fällen bewusst auf eine Behandlung mit Antibiotika verzichtet.
Anders ist es bei bestimmten Risikogruppen: Hier kann schon eine vorsorgliche Antibiotikatherapie notwendig sein, um Infektionen und mögliche Komplikationen zu verhindern. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, erfahren Sie hier
Asymptomatische Bakteriurie vs. Harnwegsinfekt – der Unterschied
Von einer solch beschwerdefreien Besiedelung ist ein klassischer Harnwegsinfekt (z.B. eine Blasenentzündung oder Nierenbeckenentzündung) klar abzugrenzen. Ein Harnwegsinfekt liegt erst dann vor, wenn beides zusammenkommt: Bakteriennachweis im Urin und entsprechende Beschwerden.
Typische Symptome eines Harnwegsinfektes sind zum Beispiel:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- häufiger Harndrang, oft nur kleine Urinmengen
- Druckgefühl im Unterbauch
Steigt die Infektion bis in die Nieren auf, können Fieber, Flankenschmerzen und ein deutliches Krankheitsgefühl auftreten.
Bei einer asymptomatischen Bakteriurie hingegen fehlen diese Beschwerden vollständig – es finden sich zwar Bakterien im Urin, aber ohne die genannten Symptome.
Kurz gesagt:
- Bakterien + Beschwerden = Harnwegsinfekt
Bakterien ohne Beschwerden = asymptomatische Bakteriurie
Urinprobe richtig abgeben: So vermeiden Sie Verunreinigungen
Damit der Urin auf Bakterien untersucht werden kann, muss eine Probe abgegeben werden – für gewöhnlich sogenannter Mittelstrahlurin. Dabei lässt man den ersten Teil des Harns in die Toilette laufen und fängt dann den mittleren Anteil in den dafür vorgesehenen Becher auf. Anschließend wird die Probe in der Arztpraxis oder im Labor untersucht.
Damit die Urinuntersuchung aussagekräftig ist und nicht versehentlich Keime aus dem Intimbereich in die Probe geraten, sollten Sie folgende Hinweise beachten:
- richtiger Zeitpunkt: Am besten den ersten Morgenurin verwenden (Urin direkt nach dem Aufstehen) – oder darauf achten, dass seit dem letzten Wasserlassen mindestens drei Stunden vergangen sind.
- Vorbereitung: Vor der Abgabe des Mittelstrahlurins die Intimregion mit Wasser gründlich reinigen.
- Frauen: Während des Wasserlassens die Schamlippen vorsichtig spreizen.
- Männer: Während des Wasserlassens die Vorhaut zurückziehen.
- Becher sauber halten: Fassen Sie nicht in den Becher – sonst können Keime von den Händen in die Probe gelangen.
Welche Testverfahren weisen Bakterien im Urin nach?
Ob sich Keime im Urin befinden, lässt sich mit verschiedenen Methoden überprüfen:
- Urinteststreifen (Schnelltest): Dieser Test reagiert auf Substanzen im Harn, die auf eine Infektion hindeuten können. Dazu zählen etwa Nitrit (Stoffwechselprodukt von Bakterien wie z. B. E.coli) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen). Damit lässt sich aber nur vermuten, dass eine Infektion vorliegt. Bestätigt wird das Vorhandensein von Bakterien erst unter dem Mikroskop oder in der sogenannten Urinkultur.
- Urinmikroskopie: Unter dem Mikroskop werden die Bakterien sichtbar.
- Urinkultur: Sie gilt als die verlässlichste Methode. Hierbei wird die Urinprobe im Labor auf Nährboden angezüchtet. So lässt sich bestimmen, welche Bakterien vorkommen und in welcher Menge (Keimzahl). Zudem kann getestet werden, welche Antibiotika gegen die gefundenen Erreger wirksam sind.
Übrigens: Die Keimzahl spielt eine wichtige Rolle. Von einer asymptomatischen Bakteriurie spricht man, wenn trotz Beschwerdefreiheit im Mittelstrahlurin mindestens 100.000 Bakterien pro Milliliter nachgewiesen werden. Liegen dagegen typische Beschwerden wie häufiger Harndrang, Brennen beim Wasserlassen oder Fieber vor, genügt bereits eine geringere Bakterienzahl für die Diagnose Harnwegsinfekt.
Wann wird der Urin auf Bakterien untersucht?
Eine Urinuntersuchung wird für gewöhnlich in zwei Situationen durchgeführt: Erstens bei typischen Symptomen eines Harnwegsinfekts. Zweitens vorsorglich, auch ohne Beschwerden, wenn ein möglicher Keimnachweis eine antibiotische Behandlung nach sich ziehen würde (um eine schwere Infektion und mögliche Komplikationen zu verhindern). Letzteres betrifft vor allem zwei Personengruppen:
schwangere Frauen mit Risikofaktoren: Eine gezielte Untersuchung auf Keime wird in der Schwangerschaft nicht routinemäßig, sondern nur in besonderen Situationen empfohlen, zum Beispiel nach wiederholten Harnwegsinfekten, bei einer überstandenen Nierenbeckenentzündung, nach Früh- oder Fehlgeburten oder wenn das Risiko für Harnwegsinfekte erhöht ist (etwa durch eine gestörte Blasenentleerung).
Wichtiger Hinweis: Ein allgemeines Screening auf Bakterien gehört in Deutschland nicht zur Standardvorsorge in der Schwangerschaft (Stand 2025); routinemäßig wird nur auf Zucker und Eiweiß getestet. Wenn jedoch – sei es im Rahmen eines gezielten Screenings oder bei einer anderen Urinuntersuchung – Bakterien entdeckt werden, erfolgt bei allen Schwangeren eine Behandlung, nicht nur bei Risikopatientinnen.
- Personen, bei denen eine OP an den Harnwegen geplant ist: Steht eine Operation am Harntrakt an (z.B. Entfernung eines Blasensteins oder eine Prostata-Operation), wird der Urin vorab auf Keime getestet. Auch hier ist eine Urinanalyse wichtig, damit vorhandene Bakterien rechtzeitig erkannt und eine antibiotische Therapie eingeleitet werden kann. Dies soll einer Infektion während oder nach dem Eingriff vorbeugen.
Bakterien im Urin: Wann muss behandelt werden – und wann nicht?
Kurz erklärt: Behandlung bei Bakterien im Urin
- Mit Beschwerden: Bei typischen Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen oder häufigem Harndrang → Behandlung je nach Schwere der Symptome und Begleitumstände mit pflanzlichen Arzneimitteln, Schmerzmitteln oder Antibiotika. Unterstützend kommen auch Hausmittel infrage.
- Ohne Beschwerden: asymptomatische Bakteriurie → meist keine Therapie notwendig. Ausnahme: In der Schwangerschaft und vor Operationen an den Harnwegen → dann vorbeugend Antibiotika, um Komplikationen zu verhindern.
Doch was bedeutet es, wenn bei einer Untersuchung plötzlich Bakterien im Urin nachgewiesen werden? Muss dann automatisch behandelt werden – oder kann man auch einfach abwarten?
Bei Beschwerden: pflanzliche Arzneimittel, Hausmittel und Co.
Ob Bakterien im Urin eine Therapie erfordern, hängt maßgeblich davon ab, ob Symptome vorliegen oder nicht. Haben Sie zum Beispiel einen typischen Harnwegsinfekt – etwa eine Blasenentzündung mit Schmerzen und häufigem Harndrang – kann eine Behandlung je nach Bedarf mit pflanzlichen Arzneimitteln, Schmerzmitteln, Antibiotika und/oder traditionellen Hausmitteln erfolgen.
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Asymptomatische Bakteriurie: meist kein Grund zur Therapie
Etwas anders sieht es aus bei einer asymptomatischen Bakteriurie, bei der Sie keine Beschwerden verspüren. In den meisten Fällen gilt hier: Eine asymptomatische Bakteriurie muss – bis auf wenige Ausnahmen – nicht behandelt werden. Für gewöhnlich ist hier eine Therapie ohne echten Nutzen, da die allermeisten Menschen mit einer solchen stillen Keimbesiedelung ohnehin gesund bleiben.
Ausnahmen: Wann ist eine Behandlung trotz Beschwerdefreiheit notwendig?
In wenigen speziellen Situationen sollte trotz Symptomfreiheit vorsorglich ein Antibiotikum eingenommen werden. Damit soll verhindert werden, dass sich die Keime ausbreiten und schwerwiegende Infektionen entstehen.
- Schwangerschaft: Schwangere Frauen mit asymptomatischer Bakteriurie werden in der Regel antibiotisch behandelt. Bleibt sie unbehandelt, steigt das Risiko für eine Nierenbeckenentzündung. Eine solche Infektion der Niere kann problematisch für Mutter und Kind sein, weshalb hier schon vorbeugend ein Antibiotikum zum Einsatz kommt.
- medizinische Eingriffe an Blase, Prostata und Co.: Ist eine Operation an den Harnwegen geplant und es werden davor Bakterien im Urin gefunden, wird ebenfalls vorab behandelt. Der Grund: Ohne eine antibiotische Therapie könnten die Bakterien zu einer Entzündung im operierten Gewebe, im Extremfall sogar zu einer Blutvergiftung führen.
Außer in diesen beiden Situationen ist eine Antibiotikatherapie bei symptomfreier Besiedelung der Harnwege mit Keimen nicht erforderlich. Selbst bei anderen vermeintlichen „Risikogruppen“ – etwa älteren oder zuckerkranken Menschen – bedarf es keiner antibakteriellen Behandlung.
Fazit
Bakterien im Urin sind nicht automatisch ein Grund zur Sorge – und sie müssen nicht immer behandelt werden.
Eine asymptomatische Bakteriurie ist oftmals ein harmloser Zufallsbefund. Betroffene benötigen in der Regel keine Therapie, außer in besonderen Situationen: Während der Schwangerschaft sowie vor Operationen an den Harnwegen sollte ein Antibiotikum eingenommen werden, um einen potenziell schwerwiegenden Infekt zu verhindern. Für alle anderen Personen gilt: Solange keine Beschwerden auftreten, besteht für gewöhnlich kein Handlungsbedarf.
Anders verhält es sich, wenn die typischen Beschwerden eines Harnwegsinfekts auftreten, etwa Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang oder Unterbauchschmerzen. Dann stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von pflanzlichen Arzneimitteln bis hin zu Antibiotika zur Verfügung.
Wenn Sie an weiteren ausführlichen Informationen zum Thema Blasenentzündung interessiert sind, erfahren Sie hier mehr.
Das Wichtigste auf einen Blick zu Bakterien im Urin
Sind Bakterien im Urin immer ein Zeichen für einen Harnwegsinfekt?
Nein. Viele Menschen haben Bakterien im Urin, ohne krank zu sein. Erst wenn Beschwerden wie Brennen oder Fieber auftreten, spricht man von einem Harnwegsinfekt, der – je nach Schweregrad und Begleitumständen – mit pflanzlichen Arzneimitteln, schmerzlindernden Medikamenten und/oder Antibiotika behandelt werden kann.
Ich habe Bakterien im Urin, aber keine Beschwerden. Muss das immer mit Antibiotika behandelt werden?
Nein. Ohne Symptome ist in den meisten Fällen keine Therapie nötig. Eine Ausnahme gilt in der Schwangerschaft und vor operativen Eingriffen an den Harnwegen.
Wie merkt man, ob es ein Harnwegsinfekt ist?
Typische Anzeichen sind Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und manchmal Fieber oder Flankenschmerzen. Letzteres deutet auf eine Infektion der Nieren hin. Fehlen diese Symptome, liegt meist nur eine harmlose Keimbesiedelung vor.
Was muss ich bei der Urinabgabe beachten?
Reinigen Sie den Intimbereich vorab mit Wasser, fangen Sie nur den Mittelstrahl in einem sauberen Becher auf und fassen Sie nicht in den Becher.
Welche Bakterien im Urin sind gefährlich?
„Gefährlich“ ist hier eigentlich das falsche Wort. Bakterien im Urin sind nicht automatisch ein Problem – sie werden erst dann bedeutsam, wenn sie eine Infektion auslösen können. Typische Bakterien, die häufig einen Harnwegsinfekt verursachen, sind zum Beispiel Escherichia coli (E. coli), Klebsiella, Proteus oder Enterokokken. Dies sind auch die Keime, die für gewöhnlich bei einer asymptomatische Bakteriurie nachweisbar sind.
Andere Bakterien, die eher von der Haut oder aus der Scheidenflora stammen – wie etwa Staphylococcus epidermidis, Corynebakterien oder Lactobazillen – gelten in der Regel nicht als Auslöser eines Harnwegsinfekts. Sie können als harmlose Begleitfunde im Urin auftreten oder – insbesondere bei Mittelstrahlproben – durch Kontakt mit Haut und Genitalbereich als Verunreinigung in die Probe gelangen, ohne Krankheitswert zu haben.
Fazit: Bakterien im Urin sind also nicht „gefährlich“, sondern entweder potenziell krankheitsauslösend, stille Mitbewohner – oder harmlos und zufällig mit in die Probe geraten.
Bildnachweise
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Quellen
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