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Aktualisiert am 02.09.2022

Blasenentzündung (Zystitis)? Wann zum Arzt?

Lesedauer: 3 Minuten

Warnzeichen, die einen Arztbesuch notwendig machen

Eine Blasenentzündung lässt sich wirkungsvoll behandeln. Oft ist bei unkomplizierten Blasenentzündungen ohne Risikofaktoren keine antibiotische Therapie nötig. Eine Linderung der unangenehmen Symptome genügt. Es gibt jedoch Warnzeichen, die einen Arztbesuch unumgänglich machen:

  • Verschlimmerung der Symptome oder keine Besserung innerhalb von 3 Tagen: Sicher ist sicher. Normalerweise gehen die Beschwerden einer Blasenentzündung auch unbehandelt nach wenigen Tagen zurück. Ist dies nicht der Fall, muss ein Ausbreiten des Infektes auf die Nieren ausgeschlossen werden. Ein Arztbesuch ist unumgänglich.
     
  • Schmerzen im Bereich der Nieren deuten auf eine Nierenbecken-Entzündung hin. Sie gilt als kompliziert und muss von einem Arzt behandelt werden.
     
  • Schweres Krankheitsgefühl und Fieber können ebenfalls auf ein Aufsteigen des Infektes in die Nieren hindeuten. Ihr Arzt wird Ihnen eine antibiotische Therapie verschreiben, um den Infekt schnellstmöglich zu bekämpfen.
     
  • Schwangere, Kinder oder Männer gelten als Risikogruppen für eine Blasenentzündung.  Der Infekt gilt bei ihnen als kompliziert. Er muss ärztlich behandelt werden, damit keine Folgeschäden entstehen.
     
  • Bei Patienten mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Krankheiten des Immunsystems und Abflussstörungen der Harnwege verursacht durch Fehlbildungen, Harnsteine, Katheter  sollte eine Blasenentzündung vorsichtshalber ärztlich abgeklärt werden.

Diagnostik: Das untersucht der Arzt bei einer Blasenentzündung

Anamnese & körperliche Untersuchung

Die Diagnose unterer Harnwegsinfekt bzw. Blasenentzündung wird beim Arzt meist bereits nach einer sorgfältigen Befragung (Anamnese) und einer orientierenden, körperlichen Untersuchung des Patienten gestellt. In der Regel liefern dabei schon die mit einer klassischen Zystitis einhergehenden typischen Beschwerden die ersten Hinweise auf einen möglichen Harnwegsinfekt.
Allerdings können starker Harndrang und brennende Schmerzen beim Wasserlassen natürlich auch andere Ursachen haben als eine Blasenentzündung. Obwohl eher selten, können hinter den Symptomen zum Beispiel schwerwiegendere Erkrankungen wie eine Reizblase, eine Entzündung der Prostata oder der Vaginalschleimhaut stecken.

Urin-Gewinnung

Neben der ausführlichen Anamnese, der Untersuchung von Harnblase, Nieren und Bauchregion ist somit vor allem die Untersuchung des Harns eine weitere, wichtige diagnostische Maßnahme bei Verdacht auf eine Blasenentzündung. Hierfür muss man als Patient zunächst eine Urinprobe abgeben, den sogenannten Mittelstrahlurin.

Der „mittlere Teil“ des Harns wird direkt beim Urinieren aufgefangen. Der erste und letzte Harnstrahl wird dabei verworfen. Er könnte möglicherweise mit Erregern verunreinigt sein, die aus der Scheide oder von der Penisspitze stammen. Und das könnte wiederum zu einer Verfälschung des Untersuchungsergebnisses führen.

Die Urinprobe – Tipps zur praktischen Umsetzung

Zur Gewinnung des Mittelstrahlurins für die Urinprobe ist es wichtig, sich vorher gründlich im Genitalbereich mit warmem Wasser zu waschen.

Männer sollten beim Wasserlassen zudem die Vorhaut zurückziehen, Frauen die Schamlippen spreizen.

Beim Urinieren in den dafür vorgesehenen Becher muss man genau darauf achten, weder den ersten Harnstrahl noch die letzten Tropfen aufzufangen, sondern ausschließlich den Harn dazwischen.

Urin-Untersuchung

Für die Harnanalyse stehen dem Arzt prinzipiell drei Untersuchungs-Methoden zur Verfügung:

1. Der Urin-Schnelltest (Stix): Der Teststreifen-Test stellt die schnellste und einfachste Untersuchungsvariante dar. Hierfür wird ein mehrfach unterteilter Teststreifen in den mit Urin gefüllten Becher getaucht. Das Verfahren gibt dann durch entsprechende Verfärbungen grob an, ob vielleicht Bakterien oder Blutbeimengungen im Harn feststellbar sind.

Der Urin-Stix im Detail

Mittels Teststreifen kann man den Urin z. B. direkt auf weiße und rote Blutkörperchen sowie auf Abbauprodukte von Bakterien untersuchen.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) weisen auf Entzündungsreaktionen hin, die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) auf eine Verletzung der Schleimhaut im Harntrakt. Einen Infekt durch Bakterien weist man durch Nitrit nach – einem Stoffwechselprodukt  bestimmter Bakterien.

Sind alle drei gemessenen Größen (Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit) im Urin positiv, so ist die Wahrscheinlichkeit für einen Harnwegsinfekt hoch.

2. Die mikroskopische Urinuntersuchung: Mit Hilfe der mikroskopischen Untersuchung des Urins im Labor, kann u. a. eine genauere Abschätzung der Bakterienzahl sowie der weißen und roten Blutkörperchen erfolgen.

3. Die Urinkultur: Die exakte Bestimmung der Erreger erfolgt schließlich durch eine Urinkultur. Hierfür beimpft man Nährlösung bzw. Nährboden mit Patientenurin und züchtet diese an. Mit einer Urinkultur kann also nicht nur überprüft werden, ob Bakterien oder Pilze im Urin vorhanden sind. Diese Untersuchung gibt auch Aufschluss über den genauen Keim und den Einsatz des wirksamsten Medikaments.

Ultraschall und Blasenspiegelung

Die Sonographie mit einem Ultraschallgerät wird im Rahmen der normalen Diagnostik bei Verdacht auf akute Blasenentzündung normalerweise nicht eingesetzt. Durchaus sinnvoll ist dieses schmerzlose Verfahren dagegen bei komplizierten Harnwegsinfekten oder bei einer Nierenbeteiligung. Mit Hilfe der Ultraschall-Untersuchung ist es dem behandelnden Arzt möglich, sowohl die Harnblase als auch die Nieren genauer zu beurteilen und krankhafte anatomische Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Noch seltener kommt die Blasenspiegelung (Zytoskopie) zum Einsatz. Dieses doch recht aufwendige Untersuchungsverfahren ist eher besonderen Fällen vorbehalten. Dazu zählen u.a. häufig wiederkehrende, schwere Harnwegsinfekte mit Verdacht auf Verengungen oder Tumoren im Harntrakt. Bei einer Blasenspiegelung führt der Urologe einen kleinen Schlauch mit einer Kamera durch die Harnröhre in die Blase ein. Mit Hilfe dieses Endoskops kann der Facharzt die Harnblase direkt von innen betrachten, entsprechend beurteilen und ggf. sogar Proben entnehmen.


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